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»»» Sie befinden sich hier: Weihnachtsgeschichten. Kurzgeschichten zum Weihnachtsfest. Leseproben.
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Heiligabend überall. Kurzgeschichten zum Weihnachtsfest.
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Eine Nachkriegs-Weihnacht. Die Wanten |
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Leseprobe
Eva Markert: Der kleine störrische Engel
Es war einmal ein kleiner Engel, der sah genauso aus, wie kleine Engel aussehen müssen: Er hatte blonde Locken, blaue Augen, rosige Wangen und ein pausbäckiges Gesicht.
Eines Tages rief ihn der himmlische Musikmeister zu sich. "Kleiner Engel", sagte er, "wir üben nun schon seit geraumer Zeit für das große Weihnachtskonzert, aber dich habe ich bei den Proben noch nie gesehen. Es wird höchste Zeit, dass auch du daran teilnimmst!"
"Ich will aber nicht mitspielen!", rief der kleine Engel.
"Unsinn! Natürlich willst du!", antwortete der himmlische Musikmeister streng.
"Ich kann doch gar kein Instrument spielen."
"Das lässt sich lernen. Du darfst dir auch ein Instrument aussuchen."
"Ich habe aber keine Lust!", erwiderte der kleine Engel trotzig.
"Papperlapapp! Jeder kleine Engel hat Lust, ein Instrument zu spielen." Mit großen Schritten ging der himmlische Musikmeister zu einem Schrank und nahm eine Trompete heraus. "Versuche es einmal hiermit! Deine Pausbacken sehen so aus, als wären sie fürs Trompetespielen wie geschaffen."
Aber der kleine Engel blieb widerspenstig. Er wollte auf gar keinen Fall Trompete spielen lernen.
"Kleiner Engel!", sagte der Musikmeister drohend. "Bald ist meine Geduld am Ende! Du nimmst jetzt sofort die Trompete und fängst an zu üben!"
Da nahm der kleine Engel seufzend die Trompete und blies hinein. Aber die Töne, die durch den Konzertsaal schallten, klangen so laut und blechern, dass der Musikmeister sich die Ohren zuhielt. Nach kurzer Zeit sah er ein, dass sein kleiner Schüler fürs Trompetespielen wirklich nicht geeignet war.
Leseprobe
Sara Rebecca Puorger: Der Swarovski-Weihnachtsbaum
Groß und prächtig erstrahlte der Swarovski-Weihnachtsbaum am Zürcher Hauptbahnhof. Es schien, als ob Tausende von herabhängenden Eiszapfen den Baum in ein Glitzermeer verwandelten. Nahm man sich jedoch die Zeit, den Baum genauer zu betrachten, lösten sich die Eiszapfen auf in wunderschöne, fein gearbeitete Glasfigürchen, die die Tanne bis zur Spitze bedeckten. Nur eine hohe Plexiglaswand trennte den endlosen Menschenstrom von diesem Meisterwerk. Jung und Alt, Groß und Klein zogen daran vorbei, ohne auch nur einen Blick an den prächtigen Baum zu verschwenden.
Es war bereits Heiligabend und alle wollten so schnell wie möglich nach Hause, um mit ihren Familien das Fest der Liebe zu feiern. Sie hatten keine Zeit, sich an dem Weihnachtsbaum zu erfreuen
So fiel auch niemandem der kleine Junge auf, der sich zitternd vor Kälte an eine Hauswand lehnte, seine Augen auf den Swarovski-Baum gerichtet. Die Menschen, die vollbepackt an ihm vorbeieilten, bemerkte er kaum. Für ihn gab es nur die glitzernden Glasfigürchen. Wie gern hätte er einen solchen Glasstern besessen! Wie gern würde er damit nach Hause kommen! Er stellte sich das Gesicht seiner Mutter vor, wenn er ihr den Stern schenkte. Und vielleicht, ja vielleicht könnte seine Mutter ihn dann endlich lieben. Vielleicht würde sie ihn einmal in ihre Arme schließen und auf die Stirn küssen, so wie sie es immer mit Martina, seiner älteren Schwester, tat. Warum? Warum nur hatte sie ihn nicht lieb? Was hatte er getan, dass sie ihn nicht lieben konnte?
Leseprobe
Dirk Christofczik: Angela
Robert hatte Angst! Eine geschlagene Stunde hatte er sich hinter der riesigen Fichte mit den blauen Plastikkugeln und der leuchtenden Lichterkette versteckt. Immer wieder wollte er losgehen und sein Vorhaben in die Tat umsetzen, doch seine Beine wollten sich einfach nicht bewegen. Ein ums andere Mal wollte Robert einfach abhauen, nach Hause gehen. Doch dann sah er die Augen von Lukas, wie er mit traurigen Augen und ohne Geschenk vor dem künstlichen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer sitzt. Was blieb ihm anderes übrig, als loszugehen und die Tankstelle zu überfallen? Er brauchte Bares, um Lukas ein Geschenk kaufen zu können. Seit er arbeitslos war, wurde das Geld immer knapper. Das Auto hatten sie schon im letzten Jahr verkauft, um die Schulden zumindest halbwegs zu begleichen. In den letzten Monaten reichte die Sozialhilfe gerade mal für das Essen und ein paar warme Sachen für den Jungen. Er würde es tun, er würde da rein gehen, mit der Waffe in der Hand, die Kasse plündern und Geschenke kaufen. Eine Gans würde er auch noch besorgen. Gleich morgen früh, beim Polen Kalka, der immer mit seinem Lebensmittelwagen in der Siedlung hält.
Langsam und mit schlotternden Knien ging Robert an den Zapfsäulen vorbei. Vor der Fensterscheibe blieb er stehen und tat so, als würde er die verschiedenen Ölsorten inspizieren, die auf einem Regal aufgereiht standen.
Leseprobe
Rudolf Jagusch: Heiligabend überall
Das Knistern im Ofen kämpfte schon seit einiger Zeit gegen das Rattern der Nähmaschine an.
Immer häufiger unterbrach die Mutter ihre Tätigkeit, um sich gerade aufzurichten. Dabei stöhnte sie leicht, da ihr angespannter Rücken dem Strecken schmerzhaften Widerstand leistete.
Ihre Tochter saß mit verschränkten Armen am Fenster und schien mit den Gedanken weit weg zu sein. Draußen tanzten seit dem Morgen die Schneeflocken ihren wilden Walzer mit dem Wind. Das Läuten der Kirchenglocken drang nur leise über die schneebedeckten Felder bis in die kleine Wohnung.
Plötzlich hob das kleine Mädchen seinen Kopf und drehte sich zur Mutter um. Diese blickte hoch und nutzte die Gelegenheit, um aufzustehen und Holz nachzulegen. Sie ging sparsam damit um, obwohl die Temperatur in der Küche nur wenig über der Außentemperatur lag.
Das Mädchen blickte seiner Mutter nach. Es war Heiligabend und die Kleine vermisste den Weihnachtsbaum. Doch auf den hätte sie gerne verzichtet, wenn, ja wenn ... Eine Frage, die in ihrem kleinen Herzen bohrte, wollte nicht über ihre Lippen kommen. Zu groß war die Angst, dass die Antwort, die sie befürchtete, ausgesprochen würde.
So blieb ihr wenigstens noch die Hoffnung. Ein Knorren knallte laut.
Leseprobe
Eve Herzogenrath: Eine Nachkriegs-Weihnacht. Die Wanten.
Damals. Ich war etwa acht Jahre alt und lebte bei meinen Großeltern. Meine Eltern hatten sich kurz nach dem Krieg scheiden lassen. Mein Opa wünschte sich zu Weihnachten Wanten. Das sind ganz dicke Handschuhe, die er bei der Arbeit in der Gärtnerei trug. Seine alten Vorkriegswanten waren zerschlissen und boten keinen richtigen Schutz mehr gegen Witterung und Dornen.
Wir fuhren also in der Adventzeit zusammen in die Stadt - Oma, Mutti und ich. Ich liebte diese Vorweihnachtsstimmung. Meine Puppen waren schon vom Christkind abgeholt worden, weil die Engelchen ihnen neue Kleider nähen und warme Pullover stricken wollten. Zu meinem Entzücken waren es immer dieselben Modelle, die auch ich bekam.
Keine einzige Verkäuferin in ganz Köln wusste, was "Wanten" sind. Ich erklärte, wie diese Wanten aussehen mussten, zeichnete sie auf ein Blatt Papier, erntete jedoch nur Kopfschütteln und Schulterzucken. Der ganze Weihnachtszauber machte mir keine Freude mehr ohne Opas Wanten.
Aber ich gab nicht auf und sann auf eine Lösung. Dann entschloss ich mich, selber welche anzufertigen. Sie mussten Wasser abstoßend und warm sein. Und auch gepolstert in den Handinnenflächen. Als Erstes inspizierte ich meine Vorräte, die aber leider nicht viel hergaben. Dann entdeckte ich im Schrank meinen Regenmantel.
Leseprobe
Sabrina Eberl: Raphael, der kleine Engel
Wenn die Erde ihr weißes Kleid trägt und alles ein bisschen friedlicher ist als sonst, dann ist es wieder soweit: Der Heilige Abend steht vor der Tür.
Oben in der Himmelswerkstatt herrschte auch dieses Jahr hektisches Treiben. Die Engel hatten alle Hände voll zu tun. Seit Monaten bereiteten sie Weihnachtsgeschenke für die Kinder vor.
Und wenn man vor der Weihnachtsbäckerei stand, duftete es himmlisch nach Plätzchen und Lebkuchen. Nur selten schaffte es ein Englein, einfach daran vorbeizugehen. Wenn dann wieder einige Kekse auf dem Blech fehlten, wussten die Bäcker Bescheid.
Der Engel Raphael war sehr jung und hatte noch keine eigene Aufgabe. Der kleine Engel half überall ein bisschen mit. Das tat er zwar gerne, dennoch hätte er sich einen Bereich gewünscht, für den er alleine zuständig war.
Am meisten wünschte er sich aber, dem Christkind am Heiligen Abend beim Austragen der Geschenke helfen zu dürfen. Doch Raphael wusste, dass er dafür noch zu klein war.
Traurig setzte er sich auf eine Wolke und blickte auf die Erde hinab. Er beobachtete die Waldtiere, wie sie das vom Jäger bereitgestellte Futter fraßen.
Als Nächstes schaute er in die Stadt. Sie faszinierte ihn am meisten. Besonders zur Weihnachtszeit, denn da erstrahlte sie in unzähligen hellen Lichtern, und es duftete so stark nach Weihrauch, dass man es sogar im Himmel riechen konnte.
Die Menschen bestaunten Weihnachtsstände, und inmitten dieser Menschenmengen entdeckte Raphael zwei kleine Kinder.
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Britta Dubber: Elo, der Held
Ein paar Wochen vor Weihnachten herrschte am Nordpol ein heilloses Durcheinander. Eines Morgens stellten die Elfen fest, dass die Rentiere verschwunden waren. Wie um Himmels willen sollte der Weihnachtsmann nun die Geschenke ausliefern?
Alle Elfen begaben sich auf die Suche, doch die Rentiere blieben unauffindbar. Keiner der Elfen traute sich, dem Weihnachtsmann etwas davon zu sagen, hatte er in der letzten Zeit doch oft schlechte Laune gehabt. Selten hatten sie ihn so grimmig erlebt, schon gar nicht in der Weihnachtszeit. Doch lange konnten sie ihm die Tatsache nicht verheimlichen und so suchten sie nach einer Lösung.
"Wir müssen es ihm sagen", meinte Börk, der älteste Elf.
"Ja, er wird es sowieso merken", schloss sich ein anderer an.
Am Abend versammelten sich die Elfen in der Scheune, in der die Rentiere lebten.
"Ich habe eine Idee. Wir haben dieses Jahr doch Rentiergeweihe hergestellt", sagte Elo, der jüngste Elf, aufgeregt. "Ich gehe in die Stadt der Menschen, sammle ein paar große Hunde ein, bringe sie hierher und wir setzen ihnen die Geweihe auf."
Börk verdrehte die Augen.
"Die Geweihe sind als Spielzeug für die Kinder gedacht. Sie sind aus Plastik. Und außerdem: Meinst du nicht, dass Santa den Unterschied zwischen Rentieren und Hunden erkennt?"
"Er merkt es nicht, wenn wir seine Brille verstecken. Ohne die kann er ein Rentier nicht einmal von einer Kuh unterscheiden", entgegnete Elo.