Patricia Koelle wurde 1964 in Huntsville, Alabama geboren. Sie wuchs in Berlin auf, wo sie eine Kindheit lang über die Mauer sowie den Umgang der Menschen damit staunte, und später über das Wunder der friedlichen Wiedervereinigung. Sie erlebte mit, wie Berlin sich erneuerte und wieder zu einer lebendigen Hauptstadt wurde und lernte diese Stadt lieben, ohne ein Stadtmensch zu sein, denn die Heimat ihrer Geschichten ist meist das Meer.
Sie studierte Sozialpädagogik an der Freien Universität Berlin und arbeitete nebenbei als Studentische Hilfskraft, bei einem Fernsehsender, in einer Galerie, in Seniorenheimen und in Kindertagesstätten. Nach Abschluss des Diploms war sie als Schulhelferin und Familienhelferin tätig. Sie ist verheiratet. Hätte sie mehr Leben zur Verfügung als dieses eine würde sie sich gern mit Archäologie, Astronomie, Geologie und Tiefseeforschung beschäftigen. Schreiben ist für sie Glück und Berufung. Sie veröffentlichte Essays, Gedichte und vor allem Kurzgeschichten in über dreißig Zeitschriften und Anthologien, sowie auf Hörbüchern und als Mobilebook. 2007 erschien in unserem Verlag ihr Kurzgeschichtenband "Der Weihnachtswind". Außerdem erschienen Beiträge in unseren Anthologien "Weihnachtsgeschichten", "Weihnachtsgeschichten Band 2", "Weihnachtsgeschichten Band 3" und "Hundert haarige Limericks".
Home Page von Patricia Koelle
www.patriciakoelle.homepage.t-online.de
Veröffentlichungen:
- Patricia Koelle: Die Füße der Sterne Dr. Ronald Henss Verlag, 2008
- Patricia Koelle: Der Weihnachtswind Dr. Ronald Henss Verlag, 2007
- Wenn Weihnachten einen Haken hat In: Weihnachtsgeschichten Band 3 Dr. Ronald Henss Verlag, 2008
- Die Wunschkerzen In: Weihnachtsgeschichten Band 3 Dr. Ronald Henss Verlag, 2008
- Weihnachtliche Schatzsuche In: Weihnachtsgeschichten Band 3 Dr. Ronald Henss Verlag, 2008
- Verschiedene Limericks In: Hundert haarige Limericks Dr. Ronald Henss Verlag, 2008
- Julis Weihnachtsaufgabe In: Weihnachtsgeschichten Band 2 Dr. Ronald Henss Verlag, 2007
- Der Engel am Ende des Himmels In: Weihnachtsgeschichten Dr. Ronald Henss Verlag, 2006
Leseprobe aus Der Engel am Ende des Himmels
Es gab noch andere Wanderer an diesem tonlosen Dezembertag, doch sie verliefen sich so sandkorngleich auf dem breiten Strand, als wäre ich endlich allein mit meinen Fragen.
Die Stille verblüffte mich. Ich kannte dieses versehentliche Stückchen Land zwischen Himmel und Wasser seit Kinderzeiten und hatte mir vorsorglich einen festen Zopf geflochten, denn die Knoten aus meinem Leben waren leichter herauszubekommen als die, welcher Nordseeinselwind in langen Haaren hinterlässt.
Doch das Meer hatte sich in einer fernen Ebbe zusammengerollt und war nur als grauer Strich zu ahnen, und der Wind, nach dem ich mich gesehnt hatte, streunte andernorts. Die klare Frostluft ruhte schlaff auf dem Sand wie ein verlorenes Tuch. Dafür war der Himmel, dem ich hier im Dezember bisher nur als geballtes graues Stürmen begegnet war, eine blaue Überraschung.
Ich löste meinen Zopf wieder. Ich kann Zöpfe nicht leiden; meine Gedanken verstricken sich darin. Gerade jetzt, wo ich mich an einen davon gewöhnen musste, der sich sperrte.
Walter war mein Freund gewesen, nicht der Freund, aber einer von jenen, die die Tage anders färben, als sie ohne ihre Gegenwart gewesen wären.
Sein Tod war nicht unerwartet. Ich hatte ihn schon bei unserem letzten Treffen als eine geduldige Gegenwart in Walters Augen gesehen. Ja, ich hatte Walter in diesem Wissen sogar einen Abschiedskuss gegeben, den ersten und letzten Kuss, den es zwischen uns gegeben hatte, und in dem Kuss war ein Bedauern gewesen und ein Frösteln.
Doch ich hatte noch viele Briefe und Telefonate in unsere Zeit gerechnet. Walter pflegte mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu klingeln, um zwei oder drei Uhr, und mir Bruchstücke von Geschichten vorzulesen, die ihn gerade faszinierten. Nach dem ersten Ärger gewöhnte ich mich daran und fiel, wenn er seine Gegenwart in meinem Ohr mit dem Hörerklicken beendete, sofort und besser in den Schlaf, in den ich die Geschichten mitnahm und zu Ende träumte. Kurz vor Weihnachten waren es immer besonders viele Geschichten, als gäbe es in Walter einen Stau, den er noch vor Jahresende auflösen musste.
Wie die Geschichte weitergeht erfahren Sie hier:
- Der Engel am Ende des Himmels
In: Weihnachtsgeschichten Dr. Ronald Henss Verlag, 2006


